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RTC Weilerswist 1974 e.V. |
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37. Etappenfahrt des RTC Weilerswist 14. – 21.08.2010
„ 4 Länder – 15 Pässe“
21 Fahrer, 2 Begleiter, 1 Busfahrer, ein Begleitfahrzeug und ein Reisebus machten sich am 14.08. auf den Weg zum Startort der diesjährigen Etappenfahrt nach Lauterach bei Bregenz am Bodensee. Noch am ersten Tag werden 92 km unter die Räder genommen, die jedoch nach 10 km bereits jäh durch eine Brückensperrung unterbrochen werden, so dass – einmalig in der Vereinsgeschichte – ein Fluß, die Dornbirnerach, durchwatet werden muss. Die Ufer des Flusses zeugen davon, dass diese Durchwatung noch vor 1-2 Tagen nicht möglich gewesen wäre, da zu diesem Zeitpunkt den RTC`lern das Wasser „bis zum Hals“ gestanden hätte. Mit viel Schlamm an den Füssen und dem wohligen Gefühl der unfreiwilligen Kneippkur, erreichen wir ohne weitere Zwischenfälle nach der Fahrt durch Liechtenstein und Überwindung des Luzisteigs den Zielort Küblis im schweizerischen Graubünden.
Der zweite Tag beginnt bei trübem Wetter und leichtem Regen und sieht mit einer Planung von 94 km auf dem Papier recht leicht aus. Jedoch sind heute der Wolfgang-Pass nach Davos und vor allem der Albula-Pass mit insgesamt 2400 Höhenmetern zu überwinden. Besonders beeindruckend, nach langen Passagen mit Steigungen von 10 % und mehr, sind die Viadukte der Rhätischen Bahn, die mit ihren Steinbogenbrücken immer wieder den Anstieg zum Albula-Pass kreuzen. Nach Erreichen der Passhöhe auf 2315 m führt eine steile Abfahrt hinunter ins Engadin und unseren Tageszielort Celerina bei St. Moritz.
Gleich 3 Pässe warten am dritten Tag auf die Fahrer. Zunächst wird von Celerina aus bei klarem, aber kühlem Wetter der Bernina-Pass mit 2328 m Höhe in Angriff genommen. Unmittelbar nach einer schnellen Abfahrt wartet dann der Anstieg zur Forcola die Livigno auf 2315 m mit heftigen Steigungen bis 16%, von wo aus man auf einer 15 km langen Abfahrt die zollfreie Zone des zu Italien gehörenden Livigno erreicht. Offenbar gab es an diesem Tag leider viele Interessenten an zollfreiem Einkauf, was vor allem den Anstieg zur Forcola die Livigno mit endlosen Autoschlangen beeinträchtigt hat. Da nach der Mittagspause in Livigno auch noch Regen einsetzt, werden von uns die Einkaufslisten der Daheimgebliebenen wieder in die Tasche gesteckt und wir machen uns auf die Weiterfahrt, die am Ende des Stausees von Livigno mit beeindruckender Staumauer, einen Bustransfer durch den Munt la Schera Tunnel erforderlich macht, da der Tunnel für Radfahrer gesperrt ist und die einzige Verbindung diesseits des Tales in die Schweiz darstellt. Unmittelbar nach dem Tunnel werden wir vom Bus abgesetzt und starten , leider immer noch bei Regen, direkt den Anstieg zum Ofen-Pass. Nach erreichen der Passhöhe auf 2149 m, ist bei der Abfahrt auf regennasser Strasse Vorsicht geboten. Der Bremsweg der Räder ist auf nasser Strasse, gerade bei schwereren Fahrern, erheblich länger, so dass die Unterarme bereits nach wenigen Kilometern vom Bremsen „brennen“. Glücklicherweise erreichen alle Fahrer dann unversehrt das Ziel im schweizerischen Müstair, Ort des einzig noch existenten Klosters aus der karolingischen Zeit und Weltkulturerbe.
Der 4. Tag wartet mit einem radfahrerischen Leckerbissen auf, dem Stilfser-Joch. Einer der berühmtesten und schwersten Pässe der Alpen und unser „einziges“ Tagesziel. Ca. 1900 Höhenmeter sind am Anstieg zu bewältigen mit Steigungen bis über 12 %, 48 Serpentinen schrauben die Straße in einer Felswand auf die Passhöhe von 2757 m. Sobald man die Baumgrenze erreicht, sieht man 800 m über sich die Passhöhe und die schier endlos scheinende Zahl der Serpentinen, die dem Fahrer einen Vorgeschmack auf die noch zu leistende Arbeit bieten. Doch zum Anfang des Tages: Zunächst führt die Fahrt von Müstair in der Schweiz zur nahen Grenze Italiens, von wo aus wir einige Kilometer bis zum Fuß des Stilfser-Jochs in Prad zurücklegen. Hier beginnt die Vorbereitung auf den langen 28 Kilometer währenden Anstieg. Verpflegung wird aufgenommen, der Flüssigkeitsspeicher gefüllt, Jacken trotz relativ kühlen, aber sonnigen Wetters abgelegt, da die Wärme in der nächsten Zeit von „innen“ kommt. Die Steigung beginnt moderat mit 7-8 % bis zum Ort Gomagoi um direkt danach auf 10% und mehr anzusteigen. Im Trafoi hat die Steigung dann 12 % erreicht um danach scheinbar nicht mehr nachzulassen, obwohl erst eine Höhe von 1500 m erreicht ist und es bis zur Passhöhe noch 15 km sind. Der Verkehr hält sich an diesem Tag glücklicherweise in Grenzen, so dass die Fahrer neben der Plackerei mit dem Berg auch noch einen Blick für die atemberaubende Landschaft des Ortlermassivs und die einmalige Architektur der Passstraße haben. Nachdem alle Fahrer glücklich und erschöpft die Passhöhe erreicht haben, führt die 20 km lange Abfahrt über den Umbrail-Pass, der von dieser Seite dankenswerterweise nur bergab bezwungen werden muss, über ein 2 km langes Stück Schotterstraße hinab wieder nach Müstair.
Der 5. Fahrtag verspricht zunächst Entspannung. Wir verlassen das 1200 m hoch gelegene Müstair mit dem Ziel Bozen, auf 237 m liegend. Die ersten 70 km führen überwiegend bergab durch Obstplantagen und Weinbau. In Meran ist dann das Ziel Bozen bereits mit einer Entfernung von 30 km ausgeschildert. Wir sind jedoch nicht zur Erholung in die Alpen gefahren, so dass unser Organisator der Tour, Horst Kolwinski, noch einen „Abstecher“ über das Gampenjoch und den Mendelpass eingebaut hat. Zunächst ist also der 19 km lange Anstieg zum Gampenjoch mit einer gleichmäßigen Steigung um 7 % anzugehen, was nach der Erfahrung vom Vortag beinahe flach erscheint. Danach noch ein kurzer und nicht steiler Anstieg auf den Mendelpass. Von dort wartet der von niemandem erwartete Höhepunkt des Tages, die über 20 km lange Abfahrt hinunter nach Bozen mit über 1000 Metern Höhenunterschied auf hervorragend asphaltierten Straßen mit wenig Autoverkehr (die in der Regel deutlich langsamer abfahren als Radfahrer) und „rhythmischen“, nicht zu engen Kurven. Das Grinsen in allen Gesichtern nach der Abfahrt zeigt, dass solche Abfahrten für alle Mühen des Anstiegs entschädigen, auch wenn diese Etappe mit 142 km recht lang war.
Der 6. Tag führt uns von Bozen in die Dolomiten, eine Landschaft, die aufgrund der freistehenden Felstürme einzigartig in den Alpen ist. Der Tag verspricht mit abzustrampelnden 2500 Höhenmetern anstrengend zu werden. Sofort nach Beginn der Etappe ist Flexibilität gefragt, da die Straße durch das schmale und malerische Eggental kurzfristig gesperrt wurde. So muss sich die Truppe statt durch eine Felsschlucht, einige Kilometer durch dicht befahrene Tunnel quälen, was keine reine Freude ist. Nach Bewältigung dieser „Umleitung“ erreichen wir den Anstieg zum Karer-Pass, der zwar nur 1745 m hoch liegt, wir aber aus unter 300 Metern Höhe gestartet sind und der vor allem im Ort Welschnofen mit giftigen Steigungsprozenten aufwartet. Entschädigt wird dieser Kampf durch die bei bestem Wetter möglichen Blicke auf das Massiv des „Rosengartens“ und die umliegenden Dolomitenhöhen, sowie den smaragdgrünen Karersee. Eine kurze Abfahrt vom Karer-Pass führt ins Fassatal und dort nach Canazei, wo der Anstieg zum Sellajoch beginnt. Da Steigungen bis 10%, manchmal 11 % ihren Schrecken verloren haben, bleibt der Blick beim 12 km langen Anstieg frei für die unglaubliche Landschaft der Sellagruppe und des Langkofels an der wir in unmittelbarer Nähe vorbeiradeln. So bleibt auch nach Erreichen des Sellajochs auf 2240m der Blick durch den Star des Tages – die Natur – gefangen. Bei der anschließenden 50 km langen Abfahrt hinunter nach Bozen ist zunächst aufgrund des Starken Autoverkehrs Vorsicht geboten, bis wir Wolkenstein und Sankt Ulrich passiert haben. Danach geht es auf Nebenstraßen immer weiter der Wärme Zielortes entgegen. Über 20 km können wir dabei entlang der Eisack auf der zum Radweg umgebauten ehemaligen Brennerbahnlinie folgen, so dass wir entspannt nach 112 Fahrkilometern wieder unser Hotel in den Weinbergen oberhalb Bozens erreichen.
Der 7. Tag sollte uns über 113 km von Bozen ins österreichische Igls bringen. Beim Studium der Tourunterlagen hätte sicher niemand gedacht, dass dieser Tag der wahrscheinlich härteste werden würde, da zwar wieder 2400 Höhenmeter zu überwinden waren, jedoch neben dem weitgehend unbekannten Penserjoch nur noch der bekannte und nicht sehr anspruchsvolle Brenner-Pass auf dem Programm standen. Der 50 km lange Aufstieg zum 2211 m hohen Penserjoch beginnt allerdings direkt vor der Hoteltür und führt bei schwülem Wetter entlang der Talfer durch mehr als 20 in den Fels geschlagene Tunnel durch ein enges Tal, dass sich erst bei Sarnthein auf 985 m Höhe weitet und teilt. Immer weiter entlang der Talfer, nun weniger steil führt der Weg zum Fuß des eigentlichen Passanstiegs, der noch ca 10 km lang sein sollte. Abrupt liegen die Steigungsprozente bei über 10 % und sollen bis zur Passhöhe nicht mehr abfallen. Anders als am Stilfser-Joch jedoch, benötigt das Penser-Joch nur 4 Kehren, was zwangsläufig nicht enden wollende Geraden zur Folge hat, die den Anstieg zur Qual werden lassen. Auf der Passhöhe kann sich der Herzschlag wieder beruhigen und den Blick freigeben auf Ötztaler Alpen, Dolomiten und Ortlergruppe. Eine schöne und lange Abfahrt hinunter nach Sterzing führt wieder in bekannte Gefilde, die jeder Italienurlauber, zumindest von der Autobahn aus kennt. Von hier beginnt der bekannte Anstieg zum Brennerpass und der Übergang nach Österreich. Die Abfahrt trennt nach einem Steilstück mit Antritt im vorderen Teil des Feldes die Gruppe, so dass vor Matrei gesammelt werden muss. Von dort erreichen wir über einige noch sehr giftige und schmerzhafte Wellen unser Tagesziel Igls gemeinsam.
Der letzte und 8. Fahrtag bietet zunächst auf 60 relativ flachen Kilometern Erholung, bevor ein einziger unbekannter Pass das einzige Tageshindernis darstellt, das Hahntennjoch. Der Blick auf das Höhenprofil des Tages zeigt viele Strecken im „roten“ Bereich, was bedeutet, dass hier kräftig gedrückt werden muss. Nach Ende des Flachstücks beginnt die Steigung moderat, um dann in Imst am eigentlichen Beginn des Hahntennjochs sofort zur „Wand“ zu werden. Noch im Ort beträgt die Steigung bis 18 %, um erst nach dem Ort abzusinken, aber nie unter 10-11 %. Nachdem der Wald mit freilaufendem Vieh überwunden wurde, kennzeichnen vergangene Murenabgänge und Gerölllandschaft das Bild. Gleichbleibend steil, ist in diesem letzten Pass noch einmal Kampf angesagt, was den Teilnehmern aber aufgrund der vorangegangenen „Trainingstage“ sehr gut gelingt. Die Stimmung ist gelöst, als auch der letzte Fahrer auf diesem letzten Pass der Etappenfahrt ankommt. Die folgenden Kilometer geht es ebenso steil bergab, wie zuvor der Anstieg bergauf führte, so dass Vorsicht angebracht ist. Bei bestem Wetter führt die Abfahrt durch die malerische Alpenlandschaft in das Lechtal hinunter, dass in diesem Bereich oft an Nordamerika oder Kanada erinnert und uns flussabwärts direkt in unseren Zielort Breitenwang bei Reutte führt, wo ein ausgezeichnetes Hotel für die Mühen des Tages entschädigt. Natürlich kommt an diesem letzten Abend vor der Abfahrt „Partystimmung“ auf, so dass der eine oder andere am Heimreisetag mit Schlafentzug zu kämpfen hat.
Eine tolle Tour, die uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird und auch für viele größere oder kleiner Anekdoten gesorgt hat. Wir hatten, bis auf den Anstieg zum Ofenpass, gerade in den ersten 4 Tagen viel Glück mit dem Wetter, es war zwar kühl, aber immer „fahrfreundlich“. Die zweite Hälfte der Tour herrschte regelrechtes Sommerwetter, wie vor zwei Jahren bei der letzten Alpentour nach Südfrankreich. Die Etappenfahrt 2010 war aber deutlich schwerer als die Tour 2008, was vor allem an der härteren Anstiegsprozenten lag. Nichts desto trotz war die Stimmung immer bestens, was nicht nur an den Teilnehmern, sondern auch an der Organisation und der Betreuung lag. So möchten wir uns vor allem bei unserem Organisator und Teilnehmer Horst Kolwinski bedanken, der in den letzten 2 Jahren viel Zeit und Energie in die perfekte Planung investiert hat und mit einer tollen Tour und Wetterglück belohnt wurde. Er hat nicht nur Hotels gebucht und Etappen ausgearbeitet, sondern uns auch noch persönlich durch die Strecken geführt, ohne sich einmal zu verfahren, was bei deutlich über 800 Fahrkilometern nicht leicht ist.
Über 15000 Höhenmeter waren zu überwinden, große Temperaturschwankungen herrschten zwischen Tal- und Höhenlagen, was eine Betreuung der Fahrer erforderlich macht. Die Versorgung mit Getränken können die Fahrer selber bei einem Verbrauch von 3-4 Litern pro Mann und Tag gerade in einsamen Alpenregionen nicht selbst bewerkstelligen. Verpflegung muss gereicht werden, platte Reifen, verstellte Schaltungen etc. müssen repariert, auf den Gipfeln warme Kleidung gereicht und im Tal wieder aufgenommen werden. All das ginge nicht ohne ein Begleitteam, dass die Wünsche und Anforderungen der Radsportler kennt. Wir danken daher alle unserem Begleitteam bestehend aus Hans-Werner Zock und Jürgen Bartels, die immer gut auf uns aufgepasst haben. Wir danken auch unserer Busfirma Zank, die uns zum Startort und wieder nach Hause gebracht und während der Tour die Koffer transportiert hat. Ein Dank auch an den Busfahrer Martin, der prima zu uns gepasst und uns die lästigste Aufgabe des Tages, das Entladen der Koffer aus dem Bus, wo immer möglich abgenommen hat. Unser Dank gilt auch der VR-Bank Rhein-Erft, der Erftapotheke Bartels und dem Bahnhofsrestaurant Weilerswist, die unser diesjähriges „Tourtrikot“ gesponsert haben.
Wir alle freuen uns bereits jetzt auf die nächste Tour und sind gespannt, wohin uns die nächste „große“ Tour 2012 bringen wird.
Elmar Meisen 1. Vorsitzender
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